Unibudget und der gesellschaftliche Umgang mit dem Geldproblem
Die Diskussion über das Unibudget, Globalbudget der Universitäten, ist derzeit in sämtlichen österreichischen Medien allgegenwärtig und lässt gut auf den psychologischen Zustand unseres Volkes schließen. Im Folgenden findet sich weder eine inhaltliche Bewertung des Themas, die auch die meisten journalistischen Beiträge schuldig bleiben, noch ein unbegründeter Aufruf, die eine oder die andere Meinung zu vertreten. Vielmehr geht es um die Analyse der Diskussionsdynamiken selbst, die Stimmung in unseren Medien, den österreichischen Geist und die Möglichkeit, daraus Rückschlüsse auf die Stabilität unseres Miteinanders zu ziehen.
Die letzten fünf Jahre waren hierzulande durchaus turbulent, weiters lassen die derzeitigen technologischen Entwicklungen keine Ruhe zu. Ohne die Entscheidungen, welche in dieser Zeit von den Regierenden getroffen wurden, zu hinterfragen oder diverse „Hätte oder wäre“-Szenarien durchzuspielen, um zu versuchen der einen oder anderen politischen Seite die Schuld zu geben, lässt sich zusammenfassen, dass in dieser Zeit sind mehr Chaos und weniger Ruhe in den durchschnittlichen österreichischen Haushalt einkehrte als noch wenige Jahre zuvor. Nun soll es allerdings nicht um die kleinen, sondern um die großen Menschengruppen unseres Landes gehen: um Unternehmen, den Staat, die Wirtschaft.
Folgend ist ein kleiner Überblick, genauere Recherchen wurden nicht angestellt, sie sind für das gewählte Abstraktionsniveau und die Schlussfolgerung jedoch auch nicht vonnöten. Die Pandemie hat der Wirtschaft zugesetzt. In manchen Branchen mussten Betriebe komplett eingestellt werden, in anderen verzichtete man einfach auf das physische Zusammensein und ließ die Arbeit von zu Hause aus verrichten. Den Regierenden kostete diese Zeit viel Energie, hätten sie als Kinder jemals gedacht, dass sie einmal über acht Millionen Menschen den Ausgang verwehren würden? Nicht nur die Menschen, sondern auch der Staat wurde in dieser Zeit etwas krank. Noch Jahre zuvor ging man leichter mit dem Geld um, doch plötzlich wurde es knapp. Damit sind nicht nur die öffentlichen Kassen gemeint, vor allem auch private Haushalte, etwa junge Familien, leiden stark unter den knappen Mitteln. Unsere finanziell „guten Jahre“ als Gesellschaft haben uns viel gekostet, und das holt uns jetzt ein. Dass dies mit Anlauf, durch die Pandemie und der anschließenden Energiekrise schon viel früher passieren würde, ist überraschend.
Das Unibudget ist nun ein gutes Beispiel dafür, wie wir in unserer Gemeinschaft damit umgehen. Dabei soll keinesfalls die Vorgehensweise der Universitäten in dieser Angelegenheit angegriffen werden, denn derartiges Handeln ist keine Ausnahme. Aufgrund der oben geschilderten Ereignisse muss der österreichische Staat nun Einsparungen vornehmen. Jedoch wird dies nicht als kollektives Problem angesehen. Der Staat hat ein finanzielles Problem, und die Bevölkerung ist nicht bereit, etwas aufzugeben. (Dass die Umsetzung unseres Staates von einigen auch wegen seiner Kosten kritisiert wird, lassen wir hier außen vor.) Problematisch ist nun aber, dass die Bevölkerung selbst den Staat bildet, denn es gibt keinen Adel mehr, der sich an einem Budgetüberschuss bereichern könnte. (Hier ist wichtig, dass der Adel als eine geschützte soziale Schicht mit vererbbaren Titeln und Privilegien beschrieben wird. Schlimm ist, dass ein solches Wort aufgrund des anhaltenden Populismus in seiner ursprünglichen Bedeutung erklärt werden muss.) Die größte Prüfung für den Menschen besteht darin, etwas abzugeben, woran er sich bereits gewöhnt hat, und diese steht nun vielen Österreicher:innen bevor. Der Umgang damit macht daraus jedoch ein viel größeres Problem, denn unser Verhalten gefährdet nicht nur unser Budget, sondern unseren Zusammenhalt. Es wird versucht, das Problem im Außen, bei anderen zu lösen, es wird versucht um die eigenen Mittel zu kämpfen, jedoch dabei vergessen, wer der Gegner dieses Kampfes ist. Der kämpferische und ehrgeizige Mensch neigt dazu, seinen Verlust erst dann zu akzeptieren, wenn er so eindeutig ist, dass jeder Versuch, diesen noch zu retten, als Realitätsverlust bezeichnet werden würde. Diese Resistenz gegen die Akzeptanz mag in anderen Domänen höchst positiv sein, könnte für unseren Staat und unsere Demokratie jedoch weit Grausameres als einen Wohlstandsverlust bedeuten.
Nachdem der Artikel zunehmend persönlicher und meinungsstärker geworden ist, ist nun der ganz persönliche, subjektive und irrationale Teil an der Reihe. (Dieser Teil des Denkens ist für jeden Glauben notwendig, denn er begründet den Glauben, und weil es ein Glaube ist, hat auch der Gläubigste seine Zweifel daran.) Kleine Probleme werden zu großen. Gibt es aber eine Person, die tapfer genug ist, sich allen Zweifeln und dem Hass der Wohlstandsverlierenden zu stellen und stets an das Gute und den Zusammenhalt glaubt, ja vermutlich ihr Leben für das Allgemeinwohl opfert, so kann größeres Unbehagen abgewendet werden, und der kranke, negative gesellschaftliche Geist wendet sich ins Positive. Diese Person, vielleicht auch eine Gruppe von Personen, darf sich als Leitbild in dieser Zeit jedoch nicht die kleinste Verfehlung zuschulden kommen lassen oder sich an der Transformation bereichern, denn das würde die kollektive Glaubensumkehr brechen. Jedoch stellt man fest, dass für eine derartige Aufgabe wenig Anreize bestehen, was ein solches Szenario unwahrscheinlich wirken lässt. Deshalb soll dieser Schluss versuchen, allen Leser:innen die Akzeptanz unseres Problems und einen Hauch Zuversicht zu vermitteln, denn auch günstigere Zuversicht und Nächstenliebe (keine lebensopfernde Rolle) erreichen im Kollektiv Großes. Ohne einen Abschluss zu suchen, der mit Anaphern Eindruck hinterlässt, erhoffe ich, Ihnen Ihre Aufgabe bewusst gemacht zu haben. Versuchen Sie sich an Zuversicht, gerade dann, wenn es schwierig ist (der irrationale Teil eines Glaubens) und verstehen Sie die Probleme die in Ihrer Macht sind um Anstatt den Unmut nach Außen zu tragen, damit zu beginnen die richtigen Taten zu vollbringen.